Die jüngste Auswertung von im c't Magazin durchgesickerten Unterlagen bestätigt den Misstrauen, dass die große Partnervermittlungsplattform Lovoo ihren Männern mit ausgeklügelten Spielprofilen gezielt Gelder aus den Taschen geholt hat. Eine leitende Angestellte von Lovoo bezeichnete die gefälschten Profile als "Promote-Bitches", die "Credits kaufen". In c't 21/15 haben wir über den Betrugsverdacht auf der Partnerbörse Lovoo[1] berichtet.
Während einer erneuerten und vertieften Untersuchung des sehr umfangreichen Materiales sind wir auf weitere Mailings gestoßen, die scheinbar von der Lovoo-Führung kommen und den Verdacht des Abzockens untermauern. Bereits kurz nach der Einführung der proprietären Fake-Profile von "Tu Gutes" fasst einer der Gründer von Lovoo seine ersten Erfolge zusammen. Die Echtheit des Belastungsmaterials wurde von Lovoo nicht überprüft, aber nicht geleugnet.
Tatsächlich können Handhabungen von so übertragenen Daten nie ganz auszuschließen sein, so dass Handhabungen der in diesem Beitrag reproduzierten Daten nicht vollständig auszuschließen sind. Die gefälschten Projekte ("Promotoren") wurden daher vom Unternehmen beauftragt, männliche Nutzerprofile zu besichtigen und eine positive Bewertung vorzunehmen.
Wenn der Benutzer wissen will, wer sich für ihn interessierte, muss er die Informationen mit der elektronischen Währungsangabe "Credits" aktivieren oder ein Abonnement abschliessen. "In einer der E-Mails, die uns kurz nach Beginn von "Tu Gutes" am 16. Mai 2013 zugesandt wurden, berichtete ein Führungskraft von Lovoo unter anderem an Unternehmenschef Benjamin Bak, wie gelungen das Versuch mit zunächst zehn gefälschten Profilen war: "Ich würde zugeben, dass ein so gutes Anforderungsprofil im Durchschnitt 75 EUR bei 1000 Stimmen ergeben kann.
"Lovoo-Chef Benjamin Bak erwiderte wenige Std. später laut Mail-Korrespondenz: "Letzte Wochen haben wir wieder den höchsten Wochenumsatz erzielt. "Eine leitende Angestellte hat am nächsten Tag eine Fluktuationsrechnung für die zehn Promoter-Accounts an die Gruppe geschickt: "Hier ist noch eine kleine Zusammenfassung der von den Nutzern für die Promote Bitches gekauften Kredite (Unlock, Topchat, Küsse, Geschenke, Readconfirm)" Ein "Credit" kostete die User derzeit bis zu 1,33 Cents.
Ein weiterer Seniorchef schreibt am 21. Mai 2013: "Nun, wir wollen in diesen Monat auf jeden Fall noch mehr Verkäufe haben, aber jetzt alles auf die Promotoren zu beschuldigen, kann auch nicht die richtige sein! "Ein Analyst des Konzerns sandte am 16. August eine Nachricht mit dem Thema "Umsatzprognose Juli" an das Gesamtmanagement: "Hallo an alle, die Prognose in punkto User Generated Revenue ist sehr gut.
"Nach unseren Erkenntnissen steht MAU für "Monthly Aktiv User", d.h. die Zahl der Aktiv-User in diesem Vormonat. Chief Benjamin Bak antwortete: "Es muss ein Anteil von mind. 10% sein. "Damit hat sich ein führendes Mitglied des Marketing-Teams nur noch verkleinert: "+ Do good things slightly increase to 15% for the last 10 days of July!
Nach dem uns vorliegenden Informationsmaterial hatte Lovoo für den kommenden Tag um 18:15 Uhr ein Treffen eingeplant, um unter anderem die zukünftige Entwicklung von "Do Good" zu diskutieren. Ausgehend von den erhaltenen Mail-Archiven konnten wir jedoch verstehen, dass es auch im Jahr 2015 noch im Einsatz war und noch erweitert werden sollte: "Aber die Nutzung in den USA ist wirklich ekelhaft", so Benjamin Bak nach unseren Erkenntnissen am vergangenen Jahr.
"Der vorgenannte Analyst hat am 24. Februar 2015 den täglichen Bericht für den Tag zuvor an Lovoo-Chef Benjamin Bak geschickt: "Seit dem 20. Februar sind die guten Dinge wieder auf einem hohen Level. "Kurze Zeit später berichtete der "Lead-Systemarchitekt" von Lovoo: "Nur noch einmal als Statusmeldung. "In den erhaltenen Archivalien sind wir auch auf Nachrichten gestoßen, die die Weiterentwicklung des Chatbot-Systems "Chat Banana" dokumentiert.
ä. - Frist für "B-One" 10.11. 14" Eine Handelswoche später sprach ein Darmstädter Fremdentwickler zum Themenbereich Chat Banana, den Lovoo vermutlich mit der Implementierung beauftragte: " Lovoo hat dem Bauherrn dann scheinbar Chataufzeichnungen von Benutzern aus Deutschland und England als Datenbank-Export im CSV-Format zugänglich gemacht: " Im Nachtrag ist ein Benutzer aufgeführt.
Der Bauherr berichtete am Sechstenember an Lovoo: "Das sind jetzt etwa 250. 000 Chatnachrichten. An Lovoo richtete der Außenprogrammierer am vergangenen Jahr ein Schreiben: "Insgesamt sind 9731 Konten in Großbritannien verfügbar (Accounts->all)". Der involvierte Lovoo-Manager sandte seinem Chefarzt Benjamin Bak am 16. Februar 2015 eine erste Untersuchung darüber, wie sich der Gebrauch von Chatrobotern auf das Kaufverhalten englischer User auswirkt. In diesem Zusammenhang wurde eine erste Studie durchgeführt.
"Die ganze Sache prüft, ob die Benutzer, nachdem er mit einer Banane (eingehende oder ausgehende Nachricht) am selben Tag in Berührung gekommen ist, was gekauft hat. Anschließend wird der durchschnittliche Kauf/Benutzer mit dem Kauf/Benutzer der Benutzer verglichen, die mit einer Banane in Berührung gekommen sind. Seitdem es seit Beginn des Dezembers steigt, zählt es zu den Bananengewinnen...."
Der am Bananenprojekt Beteiligte Lovoo-Manager verwies Ende Jänner 2015 darauf, dass mehr als 16.000 Agenten eingesetzt wurden. Aus unseren Dokumenten geht nicht hervor, ob die Chatbanane auch in Deutschland tätig war oder ist. Der von Lovoo in Auftrag gegebene Entwickler stellte am 12. Oktober 2014 den Stand der Chatbot-Intelligenz vor. Zu Beginn des Jahres 2015 gab es offenbar über 13.000 Chatroboter auf der Flirtplattform.
Aber erst nach der Publikation wies Lovoo die Anschuldigungen gegen andere Massenmedien zurück. c't hatte die Textstellen aus den in dem Beitrag genannten hausinternen Nachrichten missverstanden und nachlässig in einen anderen Kontext gestellt". Mehrmals hatte Lovoo c't zugesagt, die Anfragen des Heftes in einer Pressekonferenz zu beantworteten und die fachliche Anti-Spam-Abteilung des Konzerns zu besichtigen und mit den Software-Spezialisten dort zu diskutieren.
Die vorliegende Präsentation von Lovoo stimmt nicht mit den Fakten überein. Die Lovoo hat keine unserer spezifischen Anfragen bearbeitet. In einem vertraulichen Umfeld wurde ein "persönliches Hintergrund-Gespräch in den Räumlichkeiten[von Lovoo]" aufgesetzt. Die Lovoo hat zu keinem Moment eine Anti-Spam-Initiative und/oder Anti-Spam-Abteilung des Konzerns genannt. c't hat der Lovoo und der Lovoo Gesellschaft zur Überprüfung der Echtheit E-Mail-Auszüge übermittelt.
Einige Lovoo-Nutzer haben eine Rückmeldung des Lovoo-Supports an uns weitergeleitet. Auf die Frage antworten wir wörtlich: "Vor einigen Jahren hatte LOVOOO zwei unabhängige Mitarbeiter, von denen eines die Spam-Aktionen simuliert, das andere sie erkennt und bekämpft. Die an uns gesendeten Archivdateien sind mehrere Exemplare von Exchange-Postfächern auf Geschäftsleitungsebene von der Firma Lifoos im PST-Format.
Lovoos Aussage, dass es "vor einigen Jahren" nur so genannte "Promoter"-Teams gab, konnte auf der Grundlage der uns zugesandten Mail-Archive nicht rekonstruiert werden - vor allem nicht anhand des Zeitbezugs. Je nach verfügbarem Stoff wurde das Projekt "Tu Gutes" in den Jahren 2014 und 2015 fortgesetzt und kontinuierlich nachbearbeitet. Bei Lovoo haben wir am Donnerstag, den 23. Oktober 2015, um weitere Erklärungen gebeten.